Vera Süssli
Crossmedia Manager, Unit Director
TBWA\ TEQUILA\ Zürich

Diese Tage startete Tamedia das sagenumwobene „Newsnetz“ – der Verbund von tagesanzeiger.ch, bernerzeitung.ch und bazonline.ch. Die Branche hatte im Vorfeld schon viel davon mitgekriegt, vor allem in Form von Abwanderungen gewisser Online Marketing / Sales Spezialisten zu Tamedia.

Die Frage, die man sich als Aussenstehender nun stellt ist:
„Wozu die Übung, eigentlich?“

Zugegeben, der Online-Tagi begrüsst mich in ungewohnter Farbe, endlich lesbarer Schrift und allgemein schön peppig. Wäre da noch die Schaad-Karrikatur auf der Entry Page, ich hätte voll das offline-Feeling. Aber zurück zum Thema.

In Zeiten schwindender Einnahmen über Inserateverkauf oder Abonnementsgeschäft, steigender Kosten im Verteilernetzwerk und Produktion etc. präsentiert sich das Internet einmal mehr als Stein der Weisen, die Lösung aller Renditeprobleme, das Rezept für die nächsten 115 (Tagi) bzw. 228 Jahre (NZZ). Weil online ist die Reichweite ja grenzenlos, die Leser willig und beeinflussbar und überhaupt können diese Internetheinis ja eh zaubern – für minimales Budget! (Andere Geschichte…)

Als Abkömmling der Y-Generation, also mit Internet und Palm aufgewachsen, hatte ich Anfangs wirklich Mühe, zu verstehen, wozu es separate Tageszeitungen für Zürich, Bern, Basel und Genf brauchte, und dann noch die ganzen Regionaltitel (meine Eltern lesen tatsächlich noch den Thalwiler Anzeiger). However. Als Internetkind war mein Gedanke also: Die News der Berner sind vermutlich andere, als die der Zürcher. Oder zumindest lokal eingefärbt oder anders gewichtet.

So. Zurück zum eigentlichen Thema: Newsnetz. Was macht jetzt Tamedia? Eine so genannte „Mantelredaktion“ (werbewoche, 7.8.08) liefere Inhalt für die 3 Gefässe – ein Verkaufsteam vermarktet sie dann. Wahrscheinlich crossmedial (werden wir sicher mal testen!). Ich schaue mir also die drei Seiten heute an und stelle fest, dreimal dieselben News auf drei unterschiedlichen URLs:

Tagi Online
Tagi Online
BEZ Online
BEZ Online
BAZ Online
BAZ Online

Was mich vor allem erstaunt – DREIMAL dieselbe Werbung. HA! Aber als Internetkind denk ich: Regiotargeting! (Behavioural kann es ja nicht sein…)

Also, meine Frage: Wenn wir doch so nette Instrumente wie Regiotargeting haben, und auf diesen drei URLs sowieso der gleiche Inhalt erscheint (oder zu 90%), wozu dann bitte drei verschiedene URLs?

Wäre es nicht ein Experiment wert, mit einer einzigen URL zu arbeiten, die der Berner, der Basler und der Zürcher gleichermassen und ohne Identitätsverlust ansurfen könnte, und dann doch die gut getargte Werbung erhielte? Ausserdem – rein theoretisch liesse sich dieses Regiotargeting auch auf den Content adaptieren… und ginge man noch einen Schritt weiter (wenn wir schon „innovativ“ sind), und würde den Lesern einen Login anbieten, dann könnte man sogar personalisieren. (Dann wüsste dann der Tagi, dass ich lieber stilles Wasser trinke ;-))

Aufgrund dieser Überlegungen muss ich jedenfalls sagen, finde ich news1.ch jetzt schon die interessantere Idee (auch wenn der Name etwas unkreativ ist und mir persönlich zu nah an news.ch – kommt doch sonst mal bei der TBWA vorbei, wenn Ihr noch einen andern Namen testen wollt).

Just my two cents. ;-)

3 Responses to “Newsnetz – was bringt’s genau?”

  1. Ralph Says:

    Ich bin auch auf News1 gespannt. Heute habe ich mich mehr mit den Pannen zum Launch der 3 Newsnetz Sites beschäftigt, als mit den Inhalten:
    http://pixelfreund.ch/2008/08/bazch-tagich-und-bernerzeitung-mit-gemeinsamem-newsnetz-und-blabla-online/
    Ob News1 die Launchkommuniaktion besser gelingt und ob der Start auch reibungsloser über die Bühne geht? Ich gelobe Besserung und werde in den kommenden Tagen auch die positiven Seiten bloggen (wenn der Tagi meine Kommentare freischaltet).


  2. [...] Interessante Anmerkungen zum neuen Newsnetz auch hier, hier, hier, hier und hier. « [...]


  3. Warum nicht eines sondern drei – erstens, weil es sich um zumindest zwei völlig unabhängige Verlage handelt.

    Zweitens, weil es kosten- und manpowermässig (wo sind bitte die Journalisten) Unsinn ist, in drei Redaktionen drei mal dreissig gut bezahlte Journalisten für In- und Ausland etc. zu beschäftigen – für Nachrichten notabene, die man an jeder Ecke gratis am Kasten bekommt. Das lässt sich nicht finanzieren, sollten Sie hier doch wissen. :-))

    Drittens – ja, da gibt es selbstverständlich eine zentrale Vermarktung, aber baz.online ist auch selbst aktiv und wie – das sollten Sie mal testen (Peer Dittmar ist da am Drücker).

    Und drittens werden Sie sehen, dass sich bei baz.online die derzeitige redaktionelle Gewichtung schon noch in Richtung Lokales verschieben wird. Dort liegt für uns denn auch die Web-Zukunft, im Sinne von lokalem World Wide Web. Also dorthin, wo sich die Konsumentinnen und Konsumenten befinden.

    News1 ist vielleicht eine interessante Idee, aber nicht mehr.

    Manfred Messmer, baz.online
    CEO, Digital Strategy and Development


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